Wer sich für eine langfristige Haarreduktion nach einem Behandlungsregime interessiert, stößt früher oder später auf Begriffe wie Melanin, Haarwurzel oder Haarzyklus. Dieser Artikel erklärt, was beim Abgeben des Laserimpulses im Gewebe tatsächlich passiert, und warum daraus ein Behandlungsplan mit mehreren Terminen folgt statt einer einzigen Behandlung.
Das Prinzip: selektive Fotothermolyse
Laser-Haarentfernung nutzt gebündeltes Licht einer bestimmten Wellenlänge. Dieses Licht wird nicht von jedem Haar gleich stark aufgenommen, sondern bevorzugt pigmentreiche Haarstrukturen. Trifft es auf eine solche Struktur, wandelt sich die Lichtenergie dort in Wärme um. Dieser Effekt heißt selektive Fotothermolyse: dabei soll die Energie bevorzugt in pigmentierten Haarstrukturen aufgenommen werden. Auch die Haut enthält Melanin und kann Energie absorbieren; geeignete Geräteparameter und Kühlung sollen die thermische Belastung des umliegenden Gewebes begrenzen. Vorübergehende Rötungen und andere Hautreaktionen sind dennoch möglich.
Melanin als Zielstruktur
Der Farbstoff, um den es dabei geht, ist Melanin, das Pigment, das auch Haut- und Haarfarbe bestimmt. Bei dunklen Haaren und vergleichsweise heller Haut ist der Melaninkontrast häufig günstig, das im Haar vorhandene Melanin dient dabei als wesentlicher Lichtabsorber. Wie selektiv die Energie tatsächlich aufgenommen wird, hängt zusätzlich von Wellenlänge und Geräteeinstellung ab. Das erklärt zugleich, warum ein günstiger Kontrast zwischen dunklem Haar und hellerer Haut die Behandlung typischerweise begünstigt. Je weniger Melanin ein Haar enthält, desto geringer ist üblicherweise das Ansprechen; sehr helle, graue oder weiße Haare sprechen mit klassischer Laser-Technik häufig nicht ausreichend an.
Von der Lichtquelle zur Haarwurzel
Das Laserhandstück sendet die Lichtenergie durch die Hautoberfläche. Das Melanin im Haarschaft und in pigmentierten Follikelanteilen absorbiert die Energie und wandelt sie in Wärme um; durch Wärmeleitung können dabei auch angrenzende, für das Haarwachstum relevante Follikelstrukturen thermisch beeinflusst werden. Als Haarwurzel wird der unterhalb der Haut liegende Teil des Haars bezeichnet, der Haarfollikel ist die umgebende Gewebestruktur, die für die Neubildung und Verankerung des Haars wichtig ist. So kann das Nachwachsen einzelner Haare längerfristig vermindert oder verzögert werden; ein vollständiges oder endgültiges Ausbleiben lässt sich nicht garantieren.
Warum der Haarzyklus mehrere Sitzungen erzwingt
Ein einzelnes Haar durchläuft nicht dauerhaft dieselbe Wachstumsphase, sondern einen Zyklus aus drei Phasen:
- Anagenphase (Wachstumsphase): der Haarfollikel befindet sich in aktiver Wachstumsphase und ist durchblutet, das Haar weist in dieser Phase besonders pigmentierte Strukturen auf. Haare sprechen insbesondere in dieser Phase günstig auf die Behandlung an.
- Katagenphase (Übergangsphase): der untere Follikel bildet sich zurück, die Verbindung zur Blutversorgung verändert sich, das Ansprechen ist typischerweise geringer.
- Telogenphase (Ruhephase): das Haar ist inaktiv oder fällt aus, die Wirkung einer Behandlung ist in dieser Phase üblicherweise deutlich geringer.
Da sich zu jedem Zeitpunkt nur ein Teil der Haare in einer für die Behandlung besonders günstigen Wachstumsphase befindet, erreicht eine einzelne Sitzung typischerweise nur einen Teil der zu diesem Zeitpunkt günstig behandelbaren Haare. Erst mehrere Sitzungen im Abstand mehrerer Wochen erfassen nach und nach auch die Haare, die zum vorherigen Behandlungstermin noch in Ruhephase waren. Das ist der eigentliche Grund für den üblichen Behandlungsplan aus mehreren Terminen, nicht ein Zeichen dafür, dass eine einzelne Behandlung „nicht richtig gewirkt“ hätte.
Was im Gewebe zurückbleibt
Anders als beim Epilieren oder Waxing wird das Haar beim Lasern nicht mechanisch herausgerissen. Die absorbierte Energie erwärmt pigmentierte Haar- und Follikelstrukturen und kann deren Regenerationsfähigkeit beeinträchtigen. Behandelte Haare können sich innerhalb von Tagen bis Wochen lösen. Wiederholt sich dieser Vorgang über den vollständigen Zyklus hinweg, kann sich die Zahl und Dichte nachwachsender Haare langfristig verringern; nachwachsende Haare können teils feiner oder heller erscheinen. Umfang und Dauer sind individuell, erneutes Wachstum und Auffrischungsbehandlungen sind möglich. Eine vollständige oder lebenslange Haarfreiheit kann nicht zugesichert werden.
Kurz beantwortet
Warum reagiert dunkles Haar besser? Weil ein günstiger Melaninkontrast zwischen Haar und Haut die Aufnahme der Laserenergie begünstigen kann.
Warum sind üblicherweise mehrere Termine erforderlich? Weil der Haarzyklus dafür sorgt, dass zu jedem Zeitpunkt nur ein Teil der Haare überhaupt behandelbar ist.
Tut die Behandlung dem umliegenden Gewebe etwas? Die Behandlung zielt darauf ab, die Energie möglichst auf pigmentierte Haarstrukturen zu konzentrieren und die Belastung der umgebenden Haut zu begrenzen. Vorübergehende Hautreaktionen sind dennoch möglich.
Neben der klassischen Laser-/IPL-Behandlung gibt es weitere Verfahren zur Haarentfernung: mehr dazu in unseren Artikeln zu SHR-Haarentfernung und Sugaring.